Sonett 111

Nach Stephen Greenblatts brillanter Erkenntnis, dass in der fünften Zeile von Shakespeares Sonett 111  das Wort „brand" als „Markenname" zu verstehen ist, ist klar, dass keine der bisherigen deutschen Übersetzungen dieses Sonetts noch haltbar ist. Hier der eine Übersetzung, die der neuen Erkenntnis Rechnung trägt:

111

O, meinetwegen schiltst du die Fortuna,
Die schlamp'ge Göttin meiner üblen Müh'n,
Die für mein Dasein fand kein andres Manna,
Als Krümel von der öffentlichen Bühn'.

Daher kommt es, dass mein Name Marke wird,
Wie kühles Bier im Sommer sich verkauft,
In Supermarktregalen sich verirrt,
Wo jede Wurst auf Shakespeare wird getauft.

Beklag' mich denn, wünsch mir ein bessres Los,
Und ich zur Sühne will jeder Qual mich unterziehn,
Will Liter Essig trinken, nur bitt' ich bloß,
Lass mich vor Greenblatts Deutung fliehn.

Beklag' mich denn, mein Freund, davon sei überzeugt,
Dass deine Klag' allein, mein Tun zum Rechten beugt.

 (Übersetzung von Boris Boratorium)