AEMILIA LANIER, GEB. BASSANO  (1569-1645)

Sie galt einmal als „Dark Lady". John Hudson machte 2007 die „Dark Lady" zu Shakespeare selbst. Und er will dabei auch einwandfrei „scholarly" vorgegangen sein.

Stolz verkündet er ein neues Paradigma. Einen sehr verdächtigen Hinweis sieht er darin, dass, seiner Lesart nach, Ben Jonson in seinem Lobgedicht zur ersten Foliausgabe Shakespeare mit einer Matrone vergleicht. Ben Jonson jedoch vergleicht Shakespeare nicht mit einer Matrone. Die Zeilen im Original:

            Or crafty Malice, might pretend this praise,
            And thinke to ruine, where it seem'd to raise.
            These are, as some infamous Bawd, or Whore,
            Should praise a Matron.

Jonson will Shakespeare nicht übermäßig loben, denn dies könnte missverstanden und so aufgefasst werden, als lobte man nur mit dem Hintergedanken, den Gelobten zu vernichten, alswenn ein Kuppler oder eine Nutte eine ehrbare Matrone loben würde. In der Übersetzung von Friedrich Bodenstedt:

            Auch nicht mit Heuchlern, die nur scheinbar loben
            Und heimlich gerne stürzten was erhoben.
            Es wäre das, als rühmt' ein Kuppler sehr
            Uns eine Frau.

Wenn ein Text in einer solchen, fast paranoisch zu nennenden Weise verzerrt und mit Zange und Brechstange auf eine These hin zurechtgebogen wird, braucht man an dieser These keine Zeit zu verschwenden.

© Robert Detobel 2011